Bis wann lohnen sich Vollkasko und Teilkasko

Jeder Besitzer eines KFZ ist gesetzlich dazu verpflichtet, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Diese Police kommt für Schäden an anderen Fahrzeugen und deren Insassen auf. Für den Schutz des eigenen Autos ist eine Kaskoversicherung notwendig. Aber bis wann lohnen sich Teil und Vollkasko Versicherungen überhaupt? Wenn die Absicherung für den Wagen fast teurer ist als mögliche Reparaturen oder Folgen von Diebstählen, können die monatlichen Beiträge ohne schlechtes Gewissen eingespart werden. Macht sich der Schutz allerdings bezahlt, ist die zweite Frage: Bis wann lohnt sich eine Vollkaskoversicherung und ab welchem Zeitpunkt sollte man in die günstigere Teilkaskoversicherung wechseln?

Alter Käfer braucht keine Vollkasko mehrDie wichtigsten Faktoren für die Entscheidung für oder gegen eine Kasko sowie zwischen Teil- und Vollkasko sind das Alter und der Fahrzeugwert. Bis wann sich Teil oder Vollkasko lohnen, ist durch eine einfache Rechnung zu klären: Für ein altes Auto ist nur eine KFZ Haftpflicht notwendig, ein mittealtes Fahrzeug sollte mit einer Teilkasko, ein neuer Wagen mit einer Vollkasko versichert werden. Ganz so einfach wie bei dieser pauschalen Faustregel ist es in Wirklichkeit aber nicht. So kann beispielsweise eine Vollkaskoversicherung möglicherweise sogar günstiger sein als eine Teilkasko. Warum das so ist, erklärt die Redaktion von kfzversicherungen.org in diesem Beitrag. Bis wann sich Teil und Vollkasko tatsächlich lohnen, veranschaulichen wir zum Schluss anhand von aussagekräftigen Statistiken.

Vergleich der Teil und Vollkasko

Das Portal Statista bietet eine schöne Übersicht der Kaskoversicherungen an. Demnach sind 41 Millionen Fahrzeuge in einer KFZ Haftpflicht abgesichert. Zusätzlich sind deutlich mehr als die Hälfte (23,3 Millionen) der KFZ über eine Vollkaskoversicherung geschützt. 12,2 Millionen Fahrzeughalter präferieren eine Teilkasko. Demnach sind nur etwa 5,5 Millionen Verkehrsteilnehmer ohne KFZ Teil oder Vollkasko im Straßenverkehr unterwegs.

Um sich überhaupt zwischen Teil und Vollkasko oder auch gegen beide Formen entscheiden zu können, sollten Autofahrer die Leistungen beider Policen kennen. Die Teilkaskoversicherung kommt standardmäßig für die folgenden Schäden am eigenen Fahrzeug auf:

  • Diebstahl: Die Versicherung leistet auch bei einem teilweisen Entwenden von Autoteilen, zum Beispiel der Demontage der Reifen.
  • Brand- oder Explosionsschäden, etwa Kabelbrand
  • Bruch des Glases (Spiegel und Scheibe)
  • Kurzschluss der Verkabelung
  • Raub des Fahrzeugs
  • Verwüstungen durch Unwetter: Blitzschlag, Hagel, Sturm der Windstärke 8, sowie Überschwemmungen.
  • Zusammenprall mit Tieren (Achtung: Hier gelten unterschiedliche Regelungen)
  • Schäden durch Marderbisse (aber in der Regel keine Erstattung von Folgeschäden)

Bei der Auswahl der Versicherung, egal ob Teil- oder Vollkasko, sollte der Kunde auf verbraucherfreundliche Bedingungen achten. Von Nachteil ist beispielsweise der Wortlaut „Haarwild“, so dass nur Zusammenstöße mit Rehen, nicht aber mit Kühen erstattet werden. Besser ist eine erweiterte Wildschadenklausel, ideal die Formulierung „Tiere aller Art“. Darüber hinaus sollte der Versicherungsschutz auch bei grober Fahrlässigkeit greifen, also etwa dann, wenn man während des Unfalls am Steuer mit dem Handy telefoniert.

Vorteile der Vollkasko gegenüber Teilkasko

Auch in der Vollkaskoversicherung sind die aufgeführten Leistungen selbstverständlich enthalten. Anders als die Teilkasko, die den Zeitwert des Fahrzeugs ersetzt, erstattet sie in der Regel den Wiederbeschaffungswert. Diese Neuwertentschädigung sollte in einem guten Vollkaskovertrag unbedingt enthalten sein. Über die Absicherung der Teilkasko hinaus gibt es einen weitergehenden Schutz in den folgenden Fällen:

  • Bei Vandalismus: Wenn beisielsweise der Lack absichtlich zerkratzt, der Spiegel zertreten oder gar das Auto in Flammen gesetzt wird.
  • Bei selbst verschuldeten Unfallschäden zahlt die Vollkaskoversicherung ebenfalls. Auch bei Fremdverschulden gibt es zusätzliche Absicherungen. Üblicherweise ist dies unerheblich, da die KFZ Haftpflicht der Gegenseite zuständig ist. Jedoch gibt es auch Ausnahmefälle. Die Vollkasko zeichnet sich etwa dadurch aus, dass sie auch bei einer Fahrerflucht der anderen Person für die Schäden am eigenen Fahrzeug aufkommt. Desweiteren leistet sie auch, wenn die Gegenseite nicht haftbar gemacht werden kann. Dies ist zum Beispiel bei Kindern der Fall.

Der Begriff der „Vollkaskoversicherung“ suggeriert eine 100-prozentige Übernahme von allen Schäden am eigenen Auto oder Motorrad. Das ist jedoch nicht der Fall. Nicht erstatten werden nämlich Verschleissschäden oder defekte Motoren.

Teil oder Vollkasko? Kosten vergleichen

Wie eingangs erwähnt ist eine pauschale Empfehlung darüber schwer, bis wann sich Teil oder Vollkasko lohnen. Das hängt auch mit der unterschiedlichen Kalkulation der Beiträge zusammen. Für die Berechnung der Prämien spielen unterschiedliche Merkmale eine Rolle. Dazu zählen regionale Gesichtspunkte (Regionalklasse sowie Wohnort), der Kunde selbst (Alter und Schadenfreiheitsklasse) sowie das Fahrzeug (Art und Typklasse). Weiterhin ist auch die Höhe der Selbstbeteiligung von großer Bedeutung. In der Gesamtheit entscheiden sich die Kosten von Versicherer zu Versicherer für die jeweilige Absicherung stark. Bei manchen Unternehmen ist der Unterschied zwischen Teil- und Vollkasko geringer, während der Aufpreis bei anderen Assekuranzen höher ausfällt. Bis wann sich Teil oder Vollkasko lohnen, lässt sich nur durch einen individuellen Preis-Leistungs-Vergleich herausfinden. Daneben bieten KFZ Versicherung Tests gute Anhaltspunkte.

Symbol für Vollkasko

Vollkasko Versicherung

Ein entsprechender Check kann für den Kunden mit einer großen Überraschung enden. So kann es vorkommen, dass die Vollkasko trotz der größeren Leistungen günstiger ist als eine Teilkasko. Auch bei geringen preislichen Unterschieden ist der höherwertige Schutz die erste Wahl. Bei der Vollkasko kann der Fahrer aktiv Einfluss darauf nehmen, wie er eingestuft wird. Jahrelanges unfallfreies Fahren wird durch einen Schadenfreiheitsrabatt belohnt, den es in der Teilkasko nicht gibt. Dort kann der Kunde nicht beeinflussen, ob die versicherten Risiken eintreten oder nicht. Schäden durch Sturm oder Hagel sind schlichtweg nicht zu verhindern. In der Vollkasko hingegen können selbstverschuldete Unfälle durch einwandfreies Fahren abgewendet werden.

Außerdem ist die Typklasse in der Vollkasko meistens niedriger als in der Teilkasko. Das bedeutet, dass dem Fahrzeug ein niedriges Risiko zugerechnet wird. Je höher die Differenz ausfällt, desto eher lohnt sich eine Vollkaskoversicherung.

Bis wann lohnen sich Teil oder Vollkasko überhaupt noch?

Eine Vollkaskoversicherung ist insbesondere für neuwertige Fahrzeuge geeignet. Auch für Neuwagen, die nach einiger Zeit immer noch einen hohen Wert haben, ist ein erweiterter Schutz häufig sinnvoll. Das gilt ebenso für Autos und Motorräder, die noch über einen Kredit abfinanziert werden. Wer möchte schon die letzten 12 Monate für ein Auto zahlen, das nach einem Unfall ohne Erstattung bereits verschrottet wurde? Die Vollkasko bietet hierzu den größten Schutz. Nach einiger Zeit wechseln die meisten Kunden in die günstigere Teilkasko. Vor dem Wechsel sollten auch persönliche Faktoren mit einbezogen werden: Wer beispielsweise von einem Schadenfreiheitsrabatt profitiert, sollte länger an einer Vollkasko festhalten als ein Versicherter ohne einen entsprechenden Bonus.

Neuwagen im AutohausDie Teilkasko ist für mittelalte und ältere Fahrzeuge geeignet. Zwei der häufigsten Schäden, Diebstahl und Glasbruch, sind durch die weniger umfassende Absicherung ebenfalls abgedeckt. Der Aufpreis für Leistungen bei selbst verursachten Totalschaden ist dann in der Regel nicht mehr notwendig. Bis wann sich die Teilkasko überhaupt noch lohnt, ist daran gebunden, ob die Prämie im Vergleich zu dem Fahrzeugwert noch gerechtfertigt ist. Bei einem hohen Selbstbehalt von 500 Euro ist nicht selten der Schutz vor Glasschäden unnötig, da Kunden die Reparaturen in vielen Fällen ohnehin aus der eigenen Tasche bezahlt werden müssen. Der Einbau einer gebrauchten Scheibe ist oftmals günstiger. Zudem sinkt mit dem Wertverlust auch die Wahrscheinlichkeit eines Diebstahls, so dass der Nutzen der Teilkasko abnimmt.

Bis zu welchem Alter lohnt sich eine Vollkasko- oder Teilkaskoversicherung?

Abschließend möchten wir einen Überblick geben, wie sich die meisten Fahrzeughalter anhand dieser beiden Kriterien in den meisten Fällen entscheiden. Die Statistik kann und soll Fahrzeughaltern die Entscheidung nicht abnehmen, hilft ihnen aber dabei, einzuschätzen, ob sich die Police überhaupt bezahlt macht. Letztendlich müssen aber auch die persönlichen finanziellen Mittel mit in die Entscheidung einbezogen werden.

Die allermeisten Neuwagen sind in den ersten vier, fünf Jahren durch eine Vollkaskoversicherung vor Schäden geschützt. Ab diesem Zeitpunkt bevorzugen viele Auto- und Motorradfahrer die (meistens) günstigere Teilkasko. Je älter das Fahrzeug, desto eher entscheiden sich KFZ-Halter sowohl gegen Teil als auch Vollkasko. Bei einem 11 Jahre alten KFZ reicht von zwei von drei Besitzern die Haftpflichtversicherung als alleiniger Schutz im Straßenverkehr aus.

Bis wann lohnen sich Teil oder Vollkasko je nach Fahrzeugwert?

Bis zu welchem Fahrzeugwert sich Teil oder Vollkasko lohnen, wird aus einer Analyse des Vergleichportals Transparo deutlich. Untersucht wurde, ab und bis zu welchem Fahrzeugwert Verbraucher nur eine KFZ Haftpflicht oder eine Kombination mit einer Kaskoversicherung abschließen. Entscheidend ist wohlgemerkt nicht der Neuwert, sondern der Zeitwert des Fahrzeugs.

Bei einem geringen Wert von 0 bis 1.999 Euro beschränken sich drei von vier Deutsche demnach auf eine reine Haftpficht, jeder Vierte schließt zusätzlich eine Teilkasko ab. Für Fahrzeuge zwischen 2.000 und 3.999 Euro reicht der Hälfte der Halter eine Haftpflicht aus, rund 45 Prozent wählen zusätzlich eine Teilkasko sowie 5 Prozent eine Vollkasko. Bei höherwertigen Wagen zwischen 6.000 und 7.999 Euro kommen nur rund 15 Prozent lediglich mit einer Haftpflicht aus. Etwa die Hälfte der Kunden schließt eine Teilkasko, 35 Prozent eine Vollkasko ab. In etwa ab einem Wert von 8.500 bis 9.000 Euro kommt die Vollkasko häufiger vor als die Teilkasko. Je teurer das Auto, desto beliebter wird der umfangreiche Schutz. Nur 2,5 Prozent der Fahrzeuge über 30.000 Euro sind überhaupt nicht, jedoch 90 Prozent voll kaskoversichert.


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