Allianz mit neuem Telematik-Tarif ab April 2016

Der geplante Telematik-Tarif der Allianz nimmt Formen an: Das Produkt wird zum Start des zweiten Quartals am 1. April eingeführt. Mit dem Spar-Modell können sich junge Leute für eine durchdachte Fahrweise belohnen. Allerdings auf Kosten des Datenschutzes, wie Gegner kritisieren. Derweil musste ein anderer Anbieter seinen Telematik-Tarif aus Kostengründen vom Markt nehmen.

Telematik-Tarife zeichnen das Fahrverhalten der Kunden auf. Kaltstarts oder rasante Kurvenfahrten machen sich negativ bemerkbar. Umgekehrt wirkt sich ein sicherer Fahrstil durch Pramienrabatte aus. Mit der Allianz ist nun nach einigen anderen KfZ-Versicherern auch eine Branchengröße in das Telematik-Geschäft eingestiegen.

Allianz-Angebot funktioniert über App

Lupe mit besten AutosZunächst soll der Tarif nur jungen Leuten offenstehen. Fahranfänger zahlen aufgrund ihrer geringen Erfahrung besonders hohe Beiträge, die mit einem Telematik-Tarif gesenkt werden können. Nach Allianz-Angaben würde durch das Produkt außerdem das Sicherheitsbewusstsein der jungen Fahrer gestärkt und damit die allgemeine Verkehrssicherheit erhöht.

Die Allianz erfasst die notwendigen Daten über eine App auf dem Smartphone. Bei der Konkurrenz gibt es ein weiteres Modell: Hier werden die Informationen über die Fahrweise über eine Mini-Box weitergeleitet, die in den Zigarettenanzünder gesteckt wird.

Vor- und Nachteile von Telematik-Tarifen

Kritiker bemängeln den mangelnden Datenschutz der Telematik-Tarife. Nicht nur das Fahrverhalten, sondern auch Ziel- und Abfahrorte sowie die zurückgelegte Strecke würden erfasst. Allianz-Sprecherin Charlotte Gerling versucht gegenüber procontra, den Gegnern Wind aus den Segeln zu nehmen: „Wir nutzen die Daten ausschließlich zur Bewertung der Fahrweise. Die Rohdaten, etwa Lokationsdaten pro Sekunde, werden nicht gespeichert.“ Nichtsdestotrotz weisen Kritiker darauf hin, dass viele Systeme noch nicht ausgereift sind. So könne zum Beispiel eine Vollbremsung, mit der ein Auffahrunfall vermeidet wurde, als riskantes Manöver missinterpretiert werden.

Auf der anderen Seite rücken die Versicherer die zahlreichen Vorteile von Telematik-Tarifen in den Mittelpunkt. Hauptsächlich können Kunden durch die Ersparnis von oftmals weit über 10 Prozent gelockt werden. Außerdem kann die Datenaufzeichnung dabei helfen, dass ein Rettungswagen nach einem Unfall automatisch vor Ort ist oder bei einem Diebstahl die Suche nach dem Fahrzeug erleichtert wird.

Sparkassen Direktversicherung zieht Tarif zurück

Auf dem deutschen Markt gibt es einige Vorreiter von Telematik-Tarifen. Admiral Direkt ermöglicht mit der „Telematik Spar Option“ eine bis zu 20-prozentige Ersparnis. Der Tarif steht allen Kunden der Schadenfreiheitsklassen S0 bis SF4 offen. Das Angebot der Axa („Axa Drive Check“) ist bis zu einem Alter von 25 Jahren verfügbar. Von 17 bis 30 Jahren bietet die Signal-Iduna-Marke Sijox ihre „App Drive“ an. Im günstigsten Fall können junge Kunden ihre Beiträge um 40 Prozent senken. Die VHV hat seit September 2015 mit „Telematik Garant“ ein Produkt auf dem Markt, dass sich an alle Altersgruppen richtet.

Die Sparkassen Direktversicherung hat ihren Telematik-Tarif zum Jahresende 2015 eingestellt – trotz sehr vieler positiver Rückmeldungen. Laut dem Versicherer seien die Kosten zu hoch ausgefallen. Das Produkt enthielt zum Beispiel eine Notruffunktion bei schweren Unfällen, eine Einstufung des Fahrverhaltens sowie eine Ortung bei Diebstahl. Zusammen kosteten diese Extras rund 100 Euro im Jahr, die jedoch nur wenige Kunden ausgeben wollten. Deshalb forscht die Sparkassen Direktversicherung nun an einem alternativen Produkt mit geringeren Kosten.

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